Werken mit Kindern im Heim

Kategorie: Diskussionsbeiträge
Veröffentlicht: Sonntag, 08. März 2015 09:20
Geschrieben von Johannes Gfüllner

Anika Holz geht in ihrer Facharbeit mit dem Thema: „ DU und ICH; Jeder von uns kann etwas schaffen – Heimkinder im Alter von drei bis sechs Jahren entdecken den kreativen Umgang im „freien Werken“ mit Schere, Holz, Papier“ auf die psychische und sozialpädagogische Bedeutung des Werkens ein.

Einen guten Einblick in ihren Denkansatz gibt die angehende Erzieherin in ihrem Vorwort:

"Betritt man heute einen Kindergarten oder eine andere Einrichtung in der sich Kinder aufhalten bzw. sie betreut werden, wird man dies schnell erkennen. Die Räume sind sehr schön mit Selbstgebasteltem der Jungen und Mädchen dekoriert. Dies ist doch eigentlich eine wertvolle Sache, die Kinder setzen sich mit Material und Werkzeug auseinander, motorische Fertigkeiten der unterschiedlichen Zielgruppen werden gefördert und sie gehen einer Beschäftigung nach.
Ebenso sind erfreulicherweise immer mehr Pädagogen der Auffassung, dass der fantasievolle Umgang mit Werkmaterialien einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in vielerlei Hinsicht leistet.
Aber noch heute heißt Basteln und Werken in vielen pädagogischen Einrichtungen: Modelle nachzuarbeiten, deren Ausführung und Herstellung der Erwachsene vorausplant und vorgibt.
Daher stellt sich mir die Frage: Warum sehen Erzieher und Eltern es als so wichtig an, dass Kinder nach Schablonen arbeiten und perfekt nachgebildete Produkte anfertigen sollen?
Ist es weil sie den Kindern nicht zutrauen, dass sie so niedliche Sachen alleine zustande bringen? Oder ist es der Glaube daran, dass Kinder auf diese Weise lernen, etwas ordentlich und richtig zu machen? Oder sind Eltern und Erzieher der Meinung, dass nur auf diese Art die Feinmotorik und die Wahrnehmung der Sinne geübt werden kann?
Diese Interpretationen und Argumente sind Erfahrungen, die ich während meiner Ausbildungszeit sammeln konnte und sehr oft zu hören bekommen habe. Jedoch konnte ich während meiner Arbeit immer wieder feststellen, dass gerade Kindern und Jugendlichen diese Art von „Basteleien“ schwer fällt und sie nicht ihren Bedürfnissen gerecht wird. Zu beobachten ist dann, dass sie während der Tätigkeit trotzig werden, anfangen herum zu albern oder signalisieren dass sie keine Lust mehr dazu haben. Erst wenn so ein Ding glücklich fertig gestellt ist, stellt sich vielleicht eine gewisse Freude ein, es zu besitzen. Jedoch gleicht sie aber nicht der fröhlichen Gelöstheit von Kindern, die ein Werkmaterial nach eigenen Vorstellungen gehandhabt haben.
Daher bin ich ein Befürworter von „Freiem Werken“ (geprägt durch die Pädagogin Gabriele Beekmann) und dagegen, dass Kinder und Jugendliche nach Schablone arbeiten müssen. Denn „Freies Werken“ lässt Vertrauen ins eigene Können wachsen. Es gibt den Mädchen und Jungen, die Gelegenheit die Vorstellungen der eigenen Fantasie (schöne sowie beängstigende Vorstellungen) zu verarbeiten.
Diese Methode zeigt, dass Werken und Basteln viel mehr sein kann als die Förderung von Feinmotorik und daher als vielschichtiger Prozess angesehen werden sollte, der die Bedürfnisse, Freuden, Interessen, Wünsche und Ideen der Kinder achtet und miteinbezieht."

 

Die gelungene Arbeit kann im Anhang heruntergeladen werden.

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