Kerzenherstellung

Kerzenherstellung

Die heutige Massenproduktion von Kerzen bringt es mit sich, dass wir alle nur erdenklichen Formen, Größen und Farben kaufen können, von edelsten Schöpfungen für festliche Anlässe bis zu &dbquo;moderner Kunst“. Man könnte glauben, dass die Kunst der Kerzenherstellung von Hand veraltet ist, doch ist eher das Gegenteil der Fall. Designer schaffen heute herrliche und sehr originelle Kerzen und auch immer mehr Mensch machen die Kerzenherstellung zu ihrem Hobby. Egal, ob Massenproduktionen oder Handarbeit- die Prinzipien der Kerzenherstellung haben sich in den letzen Jahrhunderten kaum geändert. Ich möchte euch deshalb ein paar Ideen vorstellen, wie man Kerzen herstellen kann, welche Materialen man dazu benötigt und einen Einblick geben, welche Techniken es gibt.

Sicherheitsvorkehrungen:

  • Am besten immer alte Arbeitskleidung tragen, die Arbeitsfläche mit Papier auslegen und Teppiche abdecken
  • möglichst große, aufgeräumte Arbeitsfläche wählen, da es damit viel mehr Spass macht und sie genügend Platz zum Arbeiten haben.
  • genügend Zeit einplanen, mindestens 2 Stunden. Gerade wenn man unter Stress steht, wird es meistens nichts.
  • Arbeitsmaterialien immer in Reichweite haben um nicht danach suchen zu müssen, wenn man es gerade dringend braucht à könnte auf Kosten des Werkstückes gehen
  • Um das Wachs zu schmelzen, muss mit größter Vorsicht gearbeitet werden.
  • Wachs in einem Wasserbad erhitzen, ein großer Topf mit Wasser, in den ein kleinerer Topf mit Wachs, am besten an seinen Griffen, gehängt werden kann. Das Wasser sollte nicht kochen, also auf kleiner Flamme stehen. Der Topf mit dem Wasser sollte größer als die Herdplatte sein. Die umliegenden Herdplatten sollten abgedeckt werden. Dies ist wichtig, weil ein Wachstropfen, der auf eine heiße Herdplatte fällt, (oder sich beim nächsten Kochen einer Mittagsmahlzeit erhitzt,) einerseits sehr giftig verdampft und andererseits sehr feuergefährlich ist! Darauf achten, dass kein Wasser ins Wachs kommt!
  • Die meisten für die Kerzenherstellung verwendeten Wachssorten haben einen Schmelzpunkt zwischen 50°C und 60°C und viel heißer muss das Wachs auch nicht erhitzt werden. Die Hinweise auf den Verpackungen von Wachs, in Bastelsets zum Wachsgießen usw. sollte man unbedingt lesen und beachten. Diese Hinweise können von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein da verschiedene Wachsmischungen unterschiedliche Hitzegrade erreichen dürfen.
  • Topf im Auge behalten. Das Abschmelzen dauert lange.
  • Wenn das Wachs flüssig ist, kann man die gröbsten Verunreinigungen, wie alte Dochte usw. vorsichtig z.B. mit einer alten Gabel herausfischen. Achtung das Tropft! Der Rest setzt sich am Boden ab und wenn man das Wachs vorsichtig abgießt bleibt es im Topf
  • Am besten gießt man das Wachs durch ein Sieb in einen vorgewärmten Krug, dann kann man es auch besser in die Form einfüllen
  • Tücher zum Wegwischen von daneben getropften Farbresten bereithalten
  • Jetzt sollten schon die Formen vorbereitet sein und der Docht eingespannt. Hierbei sind der Vorstellungskraft und der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass die Formen dicht sind.
  • Wichtig! Wachs zieht sich beim Abkühlen zusammen! Um die dadurch entstehenden Löcher auffüllen zu können, behält man etwa 10% der Wachsmenge übrig. Beim Erkalten bildet sich obe ein Krater (Einzug), es ist daher notwendig mindestens einmal heiß nach zu gießen. Das Nachgießen muss vor dem völligen Erkalten geschehen, da sich sonst die zwei Wachsschichten nicht mehr verbinden.
  • heißes Wachs kann zu erheblichen Verbrennungen führen, deshalb ist diese Methode des Kerzenmachens für Kinder völlig ungeeignet

Ungeeignete Geräte, die Sie auf keinen Fall benutzen dürfen:

  • Elektrischer Wasserkocher, auch nicht mit Thermostat
  • Offenes Feuer, Gasherd oder so (allenfalls mit Wasserbadmethode)
  • Topf mit Wachs direkt auf Herd stellen!
  • Mikrowelle. Backofen. Friteuse

Verschiedene einfachere Kerzen 

Schwimmkerzen

Man nimmt eine Ausstechform und reibt sie mit Öl ein. Dann wird sie auf ein Stück Alufolie gelegt und fest angedrückt. Jetzt kann eine dünne Schicht flüssiges Wachs eingefüllt werden. Zur Zierde kann man auch getrocknete Blüten und Blätter mit dem Wachs mischen. Das Förmchen muss so lange angedrückt werden, bis die unterste Schicht relativ hart ist. Nun kann die Form bis zum Rand mit Wachs gefüllt werden. Ist es etwas angetrocknet einen alten Docht in die Mitte stecken und alles fest werden lassen. Dann Ausstechform entfernen, neu mit Öl einreiben und wieder füllen.


Duftkerzen:

Kerzenreste wieder einschmelzen und mit ätherischen Ölen vermischen. Das ganze in ein breites Glas kippen, denn so kann sich später das Duftöl gut entfalten. Vor dem Einfüllen das eine Dochtende um ein Trinkröhrchen wickeln und mittig auf das Glas legen, so dass das andere Ende ins Glas hängt.


Große bunte Kerze:

Dazu braucht man eine Blechbüchse oder etwas andres das Hitzebeständig ist und eine gute Kerzenform ergibt. Jetzt ein Loch in den Büchsenboden stechen, den Docht durchfädeln und von außen verknoten. Nun den Knoten mit Knetmasse umhüllen, damit kein Wachs rausläuft. Auf das obere Büchsenende einen Bleistift legen und das andere Dochtende daran befestigen. Die erste Wachsschicht kann nun eingefüllt werden, ist diese vollständig getrocknet die nächste Schicht einfüllen. So weiter machen bis die Büchse voll ist. Dann die Kerze richtig fest werden lassen. Am besten über Nacht in den Kühlschrank stellen. Dann die Knetmasse und den Knoten abschneiden. Die Kerze kann nun mit Hilfe des Bleistiftes aus der Büchse gezogen werden.



Durch schichtweises Vergießen von verschiedenen Farbtönen können tolle Effekte Erzielt werden. Dabei kann man die Form auch schrägstellen (Form in Sandbett fixieren).


Allgemeine Hinweise zum Kerzengießen:

  • Einfärben: Das Wachs kann mit Wachsmalkreiden eingefärbt werden. Dabei können die Farben auch vermischt werden.
  • Einfüllen: Das Wachs in die Mitte der Form gießen- Verunreinigungen am Rand sind später an der Kerzenoberfläche zu sehen
  • Abkühlen: Kerze komplett auskühlen lassen, bevor sie aus der Form geholt wird. Kartonformen können aufgerissen werden. In Kunststoff und Glas ausgegossene Kerzen lassen sich leichter aus der Form lösen, wenn sie für ca. 10 Minuten in den Kühlschrank gestellt werden.

Kerzen ziehen:

Man benötigt dabei sehr viel Wachs- und Kerzenreste



Zuerst Kerzenreste wieder zerkleinern und Dochte entfernen. Dann das Wachs wie gewohnt schmelzen, allerdings benötigt man viel flüssiges Wachs in der Dose. Dann ein Stück Docht kurz in das geschmolzene Wachs tauchen und wieder heraus ziehen. Das Wachs am Docht abkühlen lassen und diesen Vorgang wiederholen bis die Kerze dick genug ist. Da das Kerzenziehen viel Wachs verbraucht kann man immer wieder Wachsreste in die Dose geben. Am Ende die Kerze aufhängen. Das Wachs bleibt noch länger warm.



Mit der Zeit findet jeder seinen eigenen Rhythmus: Kerze eintauchen, ca. eine Sekunde warten, Kerze herausziehen, abtropfen und auskühlen lassen. Die Kerze sollte langsam eingetaucht werden. Besonders bei Bienenwachskerzen ist dies wichtig. Sowohl das Eintauchen als auch das Herausziehen sollte ohne ruckartige Bewegungen erfolgen.


Besondere Kerzen:

Kerzen aus Wachsresten:

Das Prinzip bleibt das selbe, es werden nur zum flüssigen Wachs noch Wachsreste in beliebiger Farbe und Form (bis etwa 3 cm) benötigt. Diese werden in das gewünschte Gefäß gegeben, nachdem der Docht hinein getan wurde. Das ganze wird dann wieder mit flüssigem Wachs aufgefüllt.


Flechtkerzen

Die noch warmen (3 Stück werden benötigt) gezogenen Kerzen werden am Docht an einem Haken zusammengebunden und dann vorsichtig geflochten. Am Schluss wird das untere Ende zusammengedrückt. Den besten Effekt hat man wenn man drei verschiedene Farben nimmt


Gezogene Duftkerzen

Auf eine Butterbrotpapier Zimt streuen. Die noch warmen gezogenen Kerzen vorsichtig darin Rollen. Der Zimt bleibt an den noch warmen Wachs haften.


Zum Schluss:

Gummiplatte: Das warme Wachs wird in die gewünschten Formen gefüllt. Überschüssiges Wachs wird abgestrichen. Nach dem Erkalten vorsichtig herausdrücken.